Ferien: Sechs Wochen Pause oder sechs Wochen Möglichkeiten?
- Benita Hasler

- vor 5 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 2 Tagen

Endlich Ferien. Und trotzdem…
Phuu, endlich Sommerferien. Keine Schultasche, kein frühes Aufstehen, keinen Blick auf den Stundenplan, einfach mal nichts tun.
Ich gönne euch das von Herzen, wirklich. 🩷
Und trotzdem möchte ich heute mit dir über etwas reden, worüber du in den Ferien eigentlich gar nicht nachdenken möchtest. Denn vielleicht war dieses Schuljahr für euch lang, anstrengend und manchmal auch zermürbend. Vielleicht hat dein Kind es nur mit viel Mühe und grossem Einsatz durchgehalten. Vielleicht weisst du genau, dass da noch Lücken sind, dass gewisse Themen nicht wirklich sitzen und dass der Start ins nächste Schuljahr wieder zäh werden könnte.
Und jetzt stehst du vor dieser Frage: Lassen wir die Ferien, Ferien sein und kämpfen uns im neuen Schuljahr wieder durch? Oder nutzen wir diese Wochen als echte Chance, ein paar Dinge aufzuarbeiten, bevor der nächste Schulalltag beginnt?
Genau darum geht es in diesem Artikel. Nicht um Druck, nicht darum, die Schule in die Ferien zu verlängern. Sondern darum, was möglich ist, wenn man es anders angeht.
Dein Gehirn kann gar nicht "nicht lernen"
Das ist keine Theorie und auch keine Meinung. Es ist schlicht Biologie. Unser Gehirn schaltet nie wirklich ab, auch nicht in den Ferien. Es verarbeitet, verknüpft, bewertet, die ganze Zeit. Das wäre ungefähr so, als würde dein Herz entscheiden: 'Ich mache jetzt mal sechs Wochen Pause.' Geht nicht. Und weil das Gehirn ohnehin aktiv ist, stellt sich eigentlich nur eine Frage: womit beschäftigen wir es? Weshalb dann nicht gleich etwas Nützliches?
Sechs Wochen ohne jeden Schulbezug bedeuten für viele Kinder, dass sich Gelerntes wieder auflöst. Nicht dramatisch und auch nicht alles. Aber spürbar. Der Schulstart fühlt sich dann zäher an als nötig, das ist leider bei vielen Kindern so.
10 bis 30 Minuten. Wirklich nicht mehr.
Versteh mich nicht falsch, es geht mir nicht darum, dich und dein Kind zu etwas zu verdonnern.
Ich möchte dir zeigen, was möglich ist, wenn ihr einfach jeden Tag eine kurze, konzentrierte Runde einbaut. Denn wenn ihr jeden Tag oder auch nur jeden zweiten Tag 20 bis 30 Minuten investiert, ist das eine riesige Chance, gewisse Themen aufzuarbeiten und zu festigen. So fällt deinem Kind der Start ins neue Schuljahr um einiges leichter.
Unser Gehirn lernt über Wiederholung und Verknüpfung mit Bekanntem. Der Schlüssel heisst Regelmässigkeit, nicht Dauer. Manchmal reichen sogar 10 Minuten täglich, damit sich Dinge besser festigen. Zehn Minuten täglich, konzentriert und ohne Druck, bringen oft mehr als zwei Stunden kurz vor dem Schulstart.
Weisst du, wie viel du schaffst, wenn sich unangemeldeter Besuch ankündigt? 😉 Genau diesen Fokus haben Kinder auch, wenn die Bedingungen stimmen.
Englisch, Mathe, Lesen: Es geht auch ganz anders
Die Einstellung macht den Unterschied
Ich möchte dir das an einem Beispiel zeigen. Nehmen wir an, dein Kind tut sich schwer in Englisch. Was könnt ihr konkret in den Ferien tun?
Sprich zuerst mit deinem Kind darüber, warum es wichtig ist, Englisch zu können. Welchen Vorteil hat es, wenn es Englisch kann? Überlegt euch etwas, das es mit positiven Emotionen verbinden kann. Im nächsten Urlaub selbst ein Glace bestellen. Den Guide im Hop-on-Hop-off-Bus verstehen. Irgendwann reisen und sich verständigen können. Wenn ein Kind Englisch mit einer echten, positiven Vorstellung verbindet, verändert sich die innere Haltung dazu.
Und dann gibt es so viele Möglichkeiten:
Schaut euch bekannte Filme auf Englisch an und macht einen gemütlichen Filmabend daraus.
Für welches Thema begeistert sich dein Kind? Lass es Tutorials oder Hörgeschichten dazu auf Englisch anschauen.
Übersetzt gemeinsam den Liedtext eines Lieblingsliedes.
Lernt jeden Tag fünf Vokabeln und wechselt dabei ab, einen Tag fünf aus dem Englischbuch, am nächsten Tag fünf selbst gewählte.
Ihr könnt auch Texte aus dem Schulbuch mit der Birkenbihl-Methode erarbeiten.
Lasst eure Fantasie spielen, bestimmt fällt euch noch vieles mehr ein.
Und plötzlich fühlt sich Lernen nicht mehr nach Lernen an. Das ist nachhaltiges Lernen, für das in der Schule oft leider die Zeit fehlt. Das Kind lernt in den Ferien ohne Schuldruck, eignet sich verschiedene Lernstrategien an, merkt selbst, welche gut funktionieren, und stellt fest, dass sich mit regelmässigem Üben Erfolge einstellen.
Und genau so kann wieder Freude am Lernen entstehen. Denn Lernen darf auch anders gehen: erleben, entdecken, selbst tun, auf ganz verschiedenen Wegen.
Aber das Kind braucht doch auch Zeit für sich
Ja. Unbedingt. Das soll es auch haben.
Nur weil es jeden Tag 10 bis 30 Minuten übt, hat es danach noch den ganzen restlichen Tag für sich. Und wenn es wirklich ausgeschlafen und ohne Druck diese kurze Zeit investiert und konzentriert übt, schafft es so viel mehr, als du vielleicht denkst.
Ich empfehle ausserdem, gönnt euch mindestens zwei Wochen wirklich schul- und lernfrei.
Und dann hilft es, feste Zeiten festzulegen, zwischen 10 und 30 Minuten. WICHTIG dabei: dein Kind darf mitentscheiden, wann, wie lange und womit. Legt vorher alles bereit. Vielleicht möchtet ihr auch mal etwas ganz anderes ausprobieren und an einem anderen Ort üben, auf dem Boden, draussen, unter dem Tisch. Die Ferien sind der ideale Zeitpunkt dafür.
Und der restliche Tag bleibt frei.
Deine Entscheidung. Deine Familie. Euer Weg.
Ob ihr in den Ferien übt oder nicht, diese Entscheidung kann ich dir nicht abnehmen. Es ist dein Kind, deine Familie, deine Regeln und euer Alltag. Mach so, wie es für euch stimmt und passt. Ich kann dir nur aufzeigen, was möglich wäre.
Vielleicht helfen dir ein paar Fragen bei deiner Entscheidung:
Was würde passieren, wenn ihr übt?
Was würde passieren, wenn ihr es nicht tut?
Kann dein Kind nach den Ferien problemlos ins neue Schuljahr starten?
Macht es einen Unterschied für dein Kind, ob ihr übt oder nicht?
Hast du gerade selbst die Zeit und die Kapazität, um mit deinem Kind zu üben?
Ich finde die Ferien eine grosse und oft auch einmalige Chance, gerade für Kinder, die in der Schule Schwierigkeiten haben. Eine Chance, Lücken zu füllen und Schulstoff aufzuarbeiten, ohne Druck, in ihrem Tempo und auch mal mit anderen Methoden als mit Arbeitsblättern.
Möchtest du Unterstützung?
Individuelle Ferienbegleitung
Ich begleite Kinder und ihre Eltern gezielt durch die Sommerferien, ganz individuell auf euch abgestimmt. Nicht als klassische Nachhilfe, die einfach weitermacht wie die Schule. Sondern abgestimmt auf dein Kind, auf seine Lücken und darauf, was sich in eurem Alltag wirklich umsetzen lässt.
Wir schauen gemeinsam, wo es hängt, was in diesen Wochen sinnvoll wäre, und wie wir das so gestalten, dass es sich nicht nach Stress anfühlt. Es darf für dein Kind und für dich passen.
Und neu: der gemeinsame Ferienplan
Du möchtest selbst zu Hause mit deinem Kind arbeiten oder auch zwischen unseren Einheiten aktiv bleiben, aber weisst nicht womit und wie? Dann erstellen wir gemeinsam einen Ferienplan, den ihr zu Hause eigenständig umsetzen könnt. Dein Kind, du und ich. Abgestimmt auf die Lücken, den Alltag und das, was sich gut anfühlt.
Wir schauen zusammen:
Wo hängt es bei deinem Kind wirklich?
Welches Format passt in euren Sommer?
Was braucht es, damit dein Kind gestärkt ins neue Schuljahr startet?
Ich bin ehemalige Primarschullehrerin und Mama von zwei Jungs, für die Schule nicht immer einfach war. Ich kenne das also aus zwei Perspektiven: aus dem Klassenzimmer und vom Küchentisch, wenn dein Kind verzweifelt ist und du nicht weisst, wie du helfen kannst.
Meld dich gerne bei mir, dann schauen wir gemeinsam, was jetzt dran ist.
Und hier noch die Info-pdf.



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