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Er-Ziehung oder Be-Ziehung?

Warum Beziehung IMMER vor Erziehung kommt



Wer sagt eigentlich, dass ich besser weiss, was mein Kind braucht?

Gerne möchte ich heute meine Gedanken zum Thema Er-Ziehung und Be-Ziehung mit dir teilen. Ich habe mich dabei sogar gefragt, ob es nicht ehrlicher wäre, von Er-Ziehung vs. Be-Ziehung zu sprechen.


Denn wer sagt eigentlich, dass ich besser weiss, was das Richtige für mein Kind ist? Vielleicht – nein, ziemlich sicher – braucht mein Kind etwas ganz anderes als ich. Warum? Weil es eine eigenständige Persönlichkeit ist und nicht ich.


Eine Geschichte aus dem Mama-Alltag

Lass mich dir dazu eine persönliche Geschichte erzählen. Sie liegt bereits einige Jahre zurück, doch ich bin mir sicher, viele Mamas kennen diese Situation. Mein Kind fühlte sich morgens nicht gut. Nicht richtig krank, aber auch nicht gesund. Und dann steht diese Frage im Raum: In die Schule gehen – ja oder nein?


Als Mama ist man schnell versucht zu sagen: „Komm, geh doch, probier es. Wenn’s nicht geht, kannst du immer noch nach Hause kommen.“ Genau so habe ich es gemacht. Nach der Vormittagspause erhielt ich einen Anruf. Mein Kind hatte sich auf das Pult der Lehrperson erbrochen und ich solle es bitte abholen.


Als ich mein Kind später fragte, was passiert sei, meinte es, es habe sich nicht wohl gefühlt, bereits am Morgen. In der Schule wollte es der Lehrperson das sagen, musste dafür am Pult anstehen – und dann war es zu spät.


Wer bin ich, meinem Kind zu sagen, wie es sich fühlt?

In diesem Moment stellte ich mir eine ganz entscheidende Frage: Wer bin ich, meinem Kind zu sagen, wie es sich fühlt? Ich stecke nicht im Körper meines Kindes. Ich kann nicht wissen, wie es sich anfühlt. Ich kann nur mit Sicherheit sagen, wie ich mich fühle.


Seit diesem Tag frage ich meine Kinder bewusst, wie es ihnen geht, ob sie glauben, in die Schule gehen zu können, ob sie es versuchen möchten oder eben nicht.

Und ja – natürlich versuchen Kinder auch mal, einem einen Bären aufzubinden, weil sie keine Lust haben. Doch dein Mama-Gefühl sagt dir ziemlich genau, wann das der Fall ist. Vertraue darauf.


„Aber dann verpasst es doch den Schulstoff …“

Oft kommt an dieser Stelle der Einwand: „Aber wenn mein Kind nicht in die Schule geht, verpasst es doch den Stoff, den Anschluss.“ Nein, tut es nicht. Das sind keine Dinge, die man später nicht aufholen könnte. Und wenn nicht gerade ein komplett neues Thema eingeführt wird, muss man auch nicht zwingend jedes Arbeitsblatt lösen, um etwas zu verstehen.


Erziehung ist keine Machtausübung

Du bist nicht der Chef deines Kindes. Und ja, dieser Satz darf sich erst einmal setzen.

Zwing deinem Kind bitte nicht deinen Willen auf. Wenn du merkst, dass du genau das tust, darfst du dich ehrlich fragen: Weshalb willst du deinem Kind deinen Willen aufzwingen? Um recht zu behalten? Um Kontrolle auszuüben? Weil es immer schon so war?

Letzteres zählt übrigens nicht 😉


Dein Kind ist nicht du, sondern eine eigene Persönlichkeit. Lass es sich entwickeln und press es nicht in etwas hinein, das es gar nicht will.


Lass dein Kind mitentscheiden

Natürlich trägst du Verantwortung für dein Kind. Und oft hast du auch das Gefühl zu wissen, was das Beste ist. Doch weshalb nicht auch dein Kind mit einbeziehen? Kinder haben oft grossartige Ideen und überraschende Vorschläge. Lass dich darauf ein. Und wenn es nicht funktioniert – was soll’s. Ihr habt es ausprobiert, Zeit miteinander verbracht und in eure Beziehung investiert.


Halt geben, ohne festzuhalten

Gerne nutze ich hier das Bild der Leitplanke. Eltern dürfen Leitplanken sein, innerhalb derer sich ein Kind frei bewegen darf. Manchmal braucht es engere Leitplanken, manchmal dürfen sie schon früh sehr weit sein. Vertraue hier auf dein Gefühl und auf dein Kind. Du darfst ihm auch etwas zutrauen.

Sei da, damit es nicht komplett abstürzt. Aber lass es innerhalb dieser Leitplanken seine eigenen Erfahrungen machen – inklusive aller daraus folgenden Konsequenzen. Genau so lernt ein Kind aus eigenen Erfahrungen. Das Ziel sollte es sein, diese Leitplanken mit der Zeit immer weiter zu öffnen, damit sich dein Kind frei entfalten kann.


Wachsen lässt sich nicht erzwingen

Er-Ziehung kommt vom Wort ziehen. Und eine Pflanze wächst auch nicht schneller, wenn ich an ihr ziehe. Das hast du bestimmt auch schon mal gehört. Sei der Gärtner für deine Pflanze. Achte auf die Umgebung, damit die Pflanze gut wachsen kann: Bekommt sie genug Licht, Wasser, Dünger – aber nicht zu viel? Braucht es vielleicht eine Stütze, damit sie daran hochwachsen kann? Dann gib ihr diese Stütze, aber lass sie selbst wachsen.

Achte auch auf die Erde, denn dort bilden sich die Wurzeln. Sie sind das Fundament, auf das dein Kind immer zurückgreifen kann.


Nicht alle Steine aus dem Weg räumen

Ein Kind darf und soll sich selbst ausprobieren. Denn wie soll es sonst lernen, irgendwann alleine im Leben zurechtzukommen? Räume nicht alle Steine aus dem Weg. Dein Kind darf stolpern, hinfallen und wieder aufstehen. So lernt es, nicht aufzugeben und weiterzugehen.


Ja, jede Entscheidung hat eine Auswirkung. Und auch dein Kind darf und soll diese Erfahrungen machen. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. Ich habe eine gute Intuition, auch bei meinen Kindern. Und trotzdem: Wenn ich sage „Mach das lieber nicht“, was glaubst du, was passiert? Genau – sie tun es oft trotzdem. Und das ist okay.


Manchmal frage ich sie ganz bewusst: Darf ich etwas dazu sagen? Wenn ja, sage ich etwas. Wenn nein, schweige ich. Auch das ist Beziehung.


Eigenverantwortung beginnt im Kleinen

Eigenverantwortung ist ein Wort, das immer mehr Einzug hält – und das ist gut so. Auch ich durfte (und darf immer noch) lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen. Niemand ist schuld. Ich bin kein Opfer. Ich darf meine eigenen Entscheidungen treffen – mit all ihren Konsequenzen. Und so auch dein Kind.


Wenn ich etwas verändern möchte, darf ich mir anschauen, wie ich es verändern kann. Oft reichen kleine Schritte. Immer hin zu, mit dem Ziel im Fokus.


Ein Beispiel aus dem Alltag: Dein Kind möchte keine Hausaufgaben machen. Frag zuerst weshalb. Hat es genug vom Stillsitzen? Dann macht eine Pause, geht raus, ladet eure Batterien auf. Weiss es nicht, wie es geht, und es ist ihm vielleicht auch peinlich? Erzähle ihm eine persönliche Geschichte von dir und sucht gemeinsam nach einer Lösung. Hat es einfach keine Lust? Vielleicht passt der Ort nicht. Dann wechselt die Umgebung: an deinen Schreibtisch, unter den Tisch, draussen, stehend, im Bett mit einem Bett-Tischchen – alles dürft ihr ausprobieren.


Wichtig dabei: Sprich mit deinem Kind. Auf Augenhöhe. Nicht von oben herab. Frag es, was es möchte und wie es das lösen würde. Dein Kind merkt selbst, wenn etwas nicht funktioniert.


Und bitte: Nehmt es mit Humor. Lachen ist so wichtig. Wir Erwachsenen lachen viel zu wenig. Wann hast du das letzte Mal so von Herzen gelacht, dass dir die Tränen gekommen sind?


Alles beginnt in der Beziehung

Beziehung ist so, so wichtig. Sie ist das Fundament, die Wurzel beim Pflänzchen. Alles steht und fällt mit der Beziehung. Bei allem. Wenn die Beziehung nicht stimmt, funktioniert nichts. Dazu habe ich bereits einen separaten Blogartikel geschrieben (Link - hier klicken).


Nimm dein Kind ernst. Nimm seine Bedürfnisse ernst. Und vergiss dabei auch deine eigenen nicht. Auch du musst nicht rund um die Uhr verfügbar sein.


Du musst da nicht alleine durch

Wenn du spürst, dass es Zeit ist, Dinge anders zu denken und neue Wege zuzulassen, dann melde dich gerne bei mir. Ich unterstütze euch dabei. Und wenn du unsicher bist, welches Angebot passt, buch dir einfach einen kostenlosen Kennenlern-Call.

Der erste Schritt ist oft kleiner, als er sich anfühlt – und kann dennoch vieles verändern.

 

 
 
 

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